Wie kann ich mit Articulate barrierefreie Inhalte erstellen?

Storyline 360 und Rise 360 bringen den barrierefreien Unterbau mit: einen bedienbaren Player, Tastaturnavigation, semantische Struktur und ausreichende Kontraste in der eigenen Oberfläche. Was kein Werkzeug übernehmen kann, ist der Inhalt. Alternativtexte, Lesereihenfolge, Farbwahl und Untertitel entstehen beim Bauen des Kurses, und dort entscheidet sich, ob er bedienbar ist.

Die Arbeit teilt sich also in zwei Hälften, und nur die zweite gehört dir. Die folgenden fünf Schritte decken den grössten Teil davon ab.

Alternativtexte setzen #

In Storyline 360 gibt es dafür zwei Wege, und der zweite ist bei vollen Folien der schnellere.

  1. Klicke mit der rechten Maustaste auf das Objekt und öffne Barrierefreiheit. Trage im Feld Alternativtext ein, was das Element zeigt oder bewirkt.
  2. Oder öffne in der Registerkarte Start das Fenster Fokusreihenfolge. Dort stehen alle Objekte der Folie untereinander, mit einer eigenen Spalte für den Alternativtext.

Dekorative Elemente brauchen keinen Text, sondern sollen übersprungen werden. Entferne sie im Fenster Fokusreihenfolge aus der Liste. Das löscht das Objekt nicht, es nimmt es nur aus dem, was ein Screenreader vorliest.

In Rise 360 läuft es umgekehrt: Bilder gelten dort zunächst als dekorativ und bleiben für Screenreader unsichtbar, bis jemand einen Alternativtext einträgt. Das ist die häufigste Lücke in Rise-Kursen und sieht im fertigen Kurs nach nichts aus, weil sehende Lernende das Bild ja sehen. Wer eine Produktabbildung einsetzt, die etwas erklärt, trägt den Text also aktiv nach.

Ein Alternativtext beschreibt Inhalt oder Zweck, nicht das Aussehen. „Anschlussschema mit rotem Pluspol links“ hilft weiter, „Bild“ und „Grafik1.png“ nicht.

Fokusreihenfolge prüfen #

Die Fokusreihenfolge steuert, in welcher Reihenfolge ein Screenreader vorliest und die Tabulatortaste springt. Sie folgt nicht der Anordnung auf der Folie, sondern der Reihenfolge, in der die Objekte entstanden sind. Bei einer gewachsenen Folie stimmt sie deshalb selten.

  1. Öffne die Folie.
  2. Gehe in der Registerkarte Start auf Fokusreihenfolge.
  3. Bringe die Einträge per Ziehen in die Reihenfolge, in der die Folie gelesen werden soll.
  4. Nimm nicht interaktive Deko aus der Liste.
  5. Gib interaktiven Elementen sprechende Namen, damit die Ausgabe verständlich bleibt.

Ergebnis

Der Kurs lässt sich mit der Tabulatortaste in der gedachten Reihenfolge durchlaufen, und jedes angesprungene Element sagt, was es ist.

Untertitel und Transkripte ergänzen #

Storyline 360 bringt einen Untertiteleditor mit. Untertitel lassen sich als Datei importieren oder direkt im Kurs schreiben, ohne Umweg über ein anderes Werkzeug. Für längere Erzählpassagen kommt ein Transkript dazu, damit der Inhalt auch ohne Ton vollständig vorliegt.

Der Nutzen reicht über Barrierefreiheit hinaus. In Werkstatt, Lager und Verkaufsraum läuft ein Kurs häufig ohne Ton, weil es zu laut ist oder kein Kopfhörer da ist. Für Kurse, die an Händler und Servicepartner gehen, sind Untertitel deshalb oft die Voraussetzung dafür, dass der Kurs überhaupt zu Ende gesehen wird.

Kontrast, Farbe und Zeitsteuerung #

Drei Punkte, die im Layout entschieden werden und sich hinterher nur mühsam korrigieren lassen:

  • Bildschirmtext braucht ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 zum Hintergrund.
  • Information darf nicht allein über Farbe transportiert werden. Der rote und der grüne Balken brauchen zusätzlich eine Beschriftung oder ein Symbol.
  • Zeitgesteuerte Abläufe brauchen eine steuerbare Alternative, also eine Schaltfläche statt einer automatischen Weiterschaltung.

Der Kontrastwert betrifft besonders Kurse im Firmendesign, weil viele Markenfarben knapp darunter liegen. Das lässt sich mit einer abgedunkelten Textvariante lösen, ohne das Design aufzugeben. Wie sich Farben und Schriften zentral hinterlegen lassen, steht unter Marken in Articulate Rise 360 erstellen und anwenden.

Mit Tastatur und Screenreader gegenprüfen #

Storyline 360 arbeitet mit den verbreiteten Screenreadern zusammen, darunter JAWS, NVDA, Narrator, VoiceOver und TalkBack. Der Test kostet wenig und findet mehr als jede Checkliste.

  1. Durchlaufe den Kurs einmal ausschliesslich mit der Tabulatortaste und der Eingabetaste. Was du so nicht erreichst, erreicht auch niemand sonst ohne Maus.
  2. Starte danach einen Screenreader und höre dir eine Folie oder Lektion an. Meist fällt schon in den ersten Minuten auf, wo ein Alternativtext fehlt oder die Reihenfolge springt.

Was das Werkzeug abdeckt und was bei dir bleibt #

Für Storyline 360 und Rise 360 liegen Konformitätsberichte gegen WCAG, die überarbeiteten Section-508-Standards und EN 301 549 vor. Diese Berichte bewerten das Werkzeug, nicht deinen Kurs. Alternativtexte, die Kontraste deiner eigenen Farben, der Verzicht auf Blinken über dreimal je Sekunde und eine verständliche Struktur bleiben Autorenaufgabe.

Für Unternehmen kommt der rechtliche Rahmen dazu: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025. Betroffen sind Unternehmen, die Waren oder Dienstleistungen an Verbraucher anbieten, und die Anforderungen richten sich nach der Norm EN 301 549.

Disclaimer: Die hier bereitgestellten Informationen dienen lediglich zu Informationszwecken und stellen keine Rechtsberatung dar. Sie ersetzen keine Beratung durch einen Rechtsanwalt oder Fachanwalt.

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